Exkursion: Digital Humanities in der Praxis

Die Exkursionsreihe «Digital Humanities in der Praxis» (seit FS2021) vermittelt den Studierenden (Master- und PhD-Stufe) einen Einblick, wie die Methoden und Konzepte der digitalen Geisteswissenschaften bei Firmen und Institutionen eingesetzt werden. Dabei werden Themen behandelt wie Langzeitarchivierung, Datenerfassung und -analyse, und Visualisierung in verschiedenen Fach- und Arbeitsbereichen, sowie auch die DH-Forschung ausserhalb der Universität Basel. 

Die Exkursion wird von Victoria G. D. Landau BA und Christian Weber BA geleitet und findet unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Gerhard Lauer und PD Dr. Peter Fornaro statt.

Details für Studierende zur Belegung des Kurses finden sich im Vorlesungsverzeichnis der Universität Basel."

Studentische Besuchsberichte

Besuchsbericht vom 23. April 2021 / 10:15-12:00 Uhr
EPFL - Key Issues in Experimental Museology

Prof. Dr. Sarah Kenderdine

Der vorgestellte Bereich innerhalb des EPFL, behandelt die Frage nach der Weiterentwicklung und der sinnvollen Umsetzung von Museumsausstellung unter Anwendung von digitalen Methoden. Dabei handelt es sich nicht nur um das Kuratieren einer Ausstellung, sondern auch das Sammeln, Digitalisieren und Aufbereiten von kulturellen Gütern. Das besonders Ansprechende bei den präsentierten Methoden war, dass hier nicht nur Ausstellungsgegenstände digitalisiert wurden und die Exkursion von der physischen in eine digitale Form überführt wurde. Die digitalen Methoden wurden zu einer wirklichen Bereicherung des Erlebnisses eines Museumsbesuches angewandt. So wurden zum Beispiel Tänze und Kampfkünste mittels Motion Capture Methoden digitalisiert und für die Nachwelt konserviert. Eine andere Ausstellung war die komplette Digitalisierung eines chinesischen Höhlenkomplexes, dieses digitale Replikat wurde anschliessend mit weitergehenden Informationen angereichert, wie die Musik, welche mittels den an den Höhlenwänden dargestellten Instrumenten gespielt wurde. Solche Anwendungen können einen Museumsbesuch wirklich bereichern und es den Besuchern ermöglichen neuen Arten von Kulturgütern zu erschliessen. Die Präsentation war daher eine hochinteressante Einführung in die Führung von Museen und Exkursionen der Zukunft. Dabei werden mit anspruchsvollen technischen Lösungen diese Bereiche weiterentwickelt und für die Allgemeinheit zugänglich gemacht.

Besuchsbericht vom 6. April 2021 / 14:15-16:00 Uhr
Virtuelle Welt @ SBB
Schweizerische Bundesbahnen
Adam Stefan, Bildungsmedien SBB

In den virtuellen Welten der SBB üben Mitarbeitende als künstliche Personen, sogenannte Avatare, konkrete Handlungen des Arbeitsalltags wie z. B. die Evakuation von Passagieren aus einem Zug. Dies erfolgt völlig unabhängig davon, wo sie sich in der realen Welt befinden.

Die SBB entwickelte ihre virtuelle Welt für die Schulungen vor der Inbetriebnahme des Gotthardbasistunnels (GBT). Erfolgreich trainierten verschiedene Berufsgruppen darin, wie sie in einem Ereignisfall zusammenarbeiten und damit für mehr Sicherheit im GBT sorgen können. Diese virtuelle Welt wurde im Rahmen verschiedener Projekte für weitere Szenarien ausgebaut. Wir haben zusammen mit dem Projektleiter Stefan Adam die virtuelle Workshopumgebung besucht.

Um in die Umgebung einzusteigen, muss eine Applikation von tricat.net heruntergeladen werden. Zurzeit werden lediglich Windows-Geräte unterstützt. Für Mac-Geräte kann die Applikation leider (noch) nicht bestellt werden. Allerdings kann mit Hilfe einer virtuellen Windows-Umgebung wie „Parallels“ die Applikation auch auf Apple Geräten geöffnet und verwendet werden. Zu beachten ist hierbei, dass einige Funktionen innerhalb der App nur beschränkt genutzt werden können.

Nach Installation der Applikation kann die Umgebung bereits unter «Erste Schritte» erkundet und in verschiedenen Szenarien angewandt werden. Am Durchführungstag wurde jedoch gleich zu Beginn der Veranstaltung genügend Zeit zur Verfügung gestellt, um gemeinsam die virtuelle Welt zu entdecken.

Im Rahmen der Präsentation von Stefan Adam konnten verschiedenste Räumlichkeiten und Funktionen dieser ausprobiert werden. So kann man sich in der virtuellen Umgebung nicht nur Bewegen, sondern diese auch interaktiv durch Platzierung von Präsentationen und Videos auf Screens und das Hochladen von 3D Modellen mitgestalten. So können in Konferenzen neue Produkte virtuell besprochen und vorgestellt werden. Durch die verschiedenen Menüpunkte können die Teilnehmer zusätzlich untereinander agieren, kommunizieren und sogar Umfragen erstellen, welche noch im Meeting ausgewertet werden können.

Eine geplante Forschungsarbeit der SBB beschäftigt sich mit den Lernmöglichkeiten einer solchen Plattform und soll herausfinden, wie virtuelles Lernen am effektivsten genutzt werden kann. Nach den Ergebnissen dieser Studie soll das virtuelle

Besuchsbericht vom 6. April 2021 / 10:15–12:00 Uhr
Software zur Analyse von Texten & Bewertung von Bucherfolgen
QualiFiction, Hamburg
Herr Ralf Winkler, Geschäftsführer / Produkt & Entwicklung

Bei QualiFiction handelt es sich um eine Firma, welche besonders dank ihrer Software zur Analyse von Texten und dem damit zu erwartenden kommerziellen Erfolg oder Misserfolg bei Publikation, bekannt ist. Im Rahmen der Exkursionsreihe Digital Humanities in der Praxis, ermöglichte uns Ralf Winkler (einer der Mitbegründer des Unternehmens) einen Einblick in das durch künstliche Intelligenz möglich gemachte Geschäftsmodell. Autor*innen und Verlage erhalten die Möglichkeit, Texte auf ihre Erfolgschancen zu überprüfen, indem sie zu einer Vielzahl von Parametern Vergleichswerte zu bestehenden belletristischen Werken präsentiert bekommen. Beispielsweise werden Wort- und Satzanzahl mit Werken desselben Genres verglichen oder Aussagen über Vokabular-Diversität oder Wortarten-Verwendung gemacht. Sentiment- und Themenanalysen machen Aussagen zum Spannungsverlauf und populär vertretenen Themen im Buch. Abweichungen zum Genre- und Bestseller-Mittel sind jeweils angegeben. QualiFiction stellt den Verlegern also eine digitale Intelligenz als Verlegerin entgegen, der sie auch schon einen Namen gegeben hat; sie heisst LiSA (Literatur-Screening & Analytik).

Besuchsbericht vom 24. März 2020 / 08:15–10:00 Uhr
«Human-Computer Interaction / User Experience»
Google
Dr. Javier Bargas-Avila, Principal UX Researcher, Google Cloud, Zurich

User Experience Research ist eine Abteilung der Firma Google, welche sich ganz dem Thema der Userfreundlichkeit der Google-Produkte widmet. Neben den anonym gesammelten Daten der Google-Nutzer/innen hat die Forschungsabteilung von Google auch eine offizielle Webseite. Auf dieser ist es möglich, freiwillig an aktuellen Umfragen der User Experience Google teilzunehmen. Am Zürcher Standort von Google leitet Dr. Javier Bargas-Avila die Cloud Plattform UX Research. Promoviert hat er an der Universität Basel im Bereich der Kognitiven Psychologie, verfasste im Laufe seiner Karriere auch wichtige Publikationen in diesem Forschungsbereich und begann 2011 mit seiner Arbeit bei Google.

Eine gute User Experience, so Bargas-Avila, zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sechs Schlüsselfaktoren beim Design eines Produktes berücksichtigt werden. Diese Faktoren sind der Angebotscharakter des Produktes, Anregung für intuitive Nutzung, einfach zu identifizierende Kausalzusammenhänge, sowie Lerntransfer und Rückgriff auf bereits vorhandene Gewohnheiten und Stereotypen. Dennoch ist das wichtigste Merkmal die Sprache. Anhand der YouTube Homepage ist schnell zu sehen, dass auch gute Designs nicht ohne schriftliche Texte zurechtkommen. Hier ist es wichtig, die Sprache sinnvoll, kurz und prägnant zu halten.

Dr. Javier Bargas-Avila betonte in seinem Vortrag die Wichtigkeit von intuitivem Nutzen und verständlichem Design. Anhand von Praxisbeispielen aus seinem Arbeitsalltag illustrierte er, wie sich die Google-Produkte immer weiterentwickelt haben, und wie selbst die kleinsten Fehler für Verwirrung unter den Nutzer/innen gesorgt haben. In der anschliessenden Fragerunde konnte auf die Thematik der Datennutzung von Google und der verbundenen Datensicherheit der User eingegangen werden. So werden laut Bargas-Avila nur gesammelte Datensätze von vielen Usern genutzt, um mögliche Verhaltensweisen im Umgang mit den Google-Produkten zu analysieren. Individuelle Daten einzelner Personen werden nur innerhalb besonderer Ausnahmefälle von Google ausgewertet.

Besuchsbericht vom 16. März 2021 / 14:15–15:45 Uhr
Kommunikation, digitale Angebote und virtuelle Ausstellungen
Schweizerisches Nationalmuseum. Landesmuseum Zürich.
Herr Alexander Rechsteiner, Stv. Leiter Marketing und Kommunikation

Das Schweizerische Nationalmuseum (SN) bietet neben unserer nationalen Historie von seinen Anfängen bis hin zur Gegenwart Themenfelder, die die Identität und kulturelle Vielfalt des Landes betreffen. Innert drei Museen und dem Sammlungszentrum in Affoltern am Albis werden jeweils verschiedene Angebote für die Vermittlung genutzt – nicht zuletzt wegen Corona nun auch verstärkt digital.

Dabei umfasst das spezifische digitale Vermittlungsangebot des SN diverse ausser, als auch innerhäusliche Angebote. Neben der Webseite, diversem Schulungsmaterial und virtuellen Führungen durch das Museum, werden auch Podcasts und Blogbeiträge veröffentlicht. In der Onlinesammlung des SN können mittlerweile 66'000 Objekte aus der Sammlung hochaufgelöst begutachtet oder als Reproduktion bezogen werden.

Herr Alexander Rechsteiner stellte sich im Rahmen seines Vortrages unseren kritischen Fragen zur digitalen Museumsarbeit und bot uns einen kleinen Einblick in das digitale Angebot der SN sowie in die nationale und internationale Museumslandschaft. National ist der Druck auf die Museen, ihre Bedeutung im Gegensatz zu konkurrierenden kulturellen Angeboten zu wahren, grösser geworden. International sind es die institutionellen Grössen, welche sich durchsetzen können. Und dies obwohl das SN, im Vergleich mit anderen Museen der Schweiz, mit einem deutlich besseren digitalen Präsenzkonzept und einer hohen In-House-Produktion eher die Vorreiterrolle einnimmt.

Dabei wurden auch kritischere Töne angesprochen, welche deutlich zutage brachten, dass die Digitalstrategie der Museumslandschaft Schweiz erst noch richtig definiert werden muss. Auch infolgedessen, dass die verwendete Technik seit 2001 mehrheitlich dieselbe geblieben ist, versucht das SN den Spagat zwischen objektorientiertem und digitalem Vermittlungsangebot von Geschichte – bisher fehlt das digitale «Know How» . Wir konnten hierbei innert kurzer Zeit gute Einblick in die technologisch aufrüstungsbedürftige Museumslandschaft der Schweiz erhalten.

Besuchsbericht vom 16. März 2021 / 10:15–12:00 Uhr
Datenintegration auf MapBS – Kurz erklärt
Geoportal. Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt
Herr Lukas Widmer, GIS-Spezialist, Grundbuch- und Vermessungsamt, Geoinformation

Die Fachstelle für Geoinformation (FfG) ist das Kompetenzzentrum des Kantons Basel-Stadt, wenn es um das Sammeln, Analysieren und Aufarbeiten von Geodaten geht. Dabei können sämtliche Mitarbeitende der kantonalen Verwaltung und Gemeinde sowie die interessierte Öffentlichkeit auf die Dienstleistungen der FfG zurückgreifen. Die FfG offeriert aus dem bestehenden Leistungsauftrag heraus eine kartografische Bandbreite, welche von umwelt-über sozial- bis hin zu stadttechnischen Themen reicht. Die hoch aufgelösten Luft- und Satellitenbilder respektive Karten werden hierbei im Hauptprodukt der sog. MapBS, konzentriert online zugänglich gemacht.

Die FfG wird dabei in drei Ressorts gegliedert. Das Ressort Kartografie: Berät Kunden bei Kartenprojekten wie z. B. Basel Info und liefert darüber hinaus den offiziellen Stadtplan. Das Ressort Geodatenmanagement: Ist zuständig für die Aktualisierung, Verarbeitung, Verwaltung und Publikation der zentralen Geodaten. Es kümmert sich mitunter um die MapBS und den Geodaten-Shop. Das Ressort Projekte & Support: Widmet sich sämtlichen Supportanfragen, welche in Bezug zu allen GIS-Baisleistungen und dem Geoportal gestellt werden. Hierfür hatten wir das Vergnügen mit Herrn Dr. Lukas Widmer eine kompetente und umfassende Einführung in das Interface der MapBS zu erhalten.

Die MapBS lässt sich hierfür auf unterschiedliche Massstäbe skalieren und ermöglicht es das Themenspektrum in unterschiedlichen Ebenen abzubilden. Dabei können neben dem Drucken, Messen, Filtern, StreetViewen und Karten im Shop Daten bestellt oder im Katalog die Liste der beschränkt zugänglichen Daten eingesehen werden. Als kompetenter Ansprechpartner stellte sich Herr Dr. Lukas Widmer zur Verfügung. Neben unseren Fragen gab er uns zusätzlich nützliche Hilfestellungen um Forschungsanliegen, welche man kartentechnisch aufarbeiten oder gar beantworten möchte, mit auf den Weg.

Wer die FfG von früher kennt, wird heute über die grosse Vielzahl an Möglichkeiten genauso begeistert sein, wie wir DH-Studenten:innen der Universität Basel. Nebst einem Blick in die Sonderausgabe der GeoInfo, lohnt sich definitiv auch ein erneuter Besuch bei der Fachstelle für Geoinformation.